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Rede von Ministerpräsident
Erwin Teufel
anlässlich des feierlichen
Spatenstichs für den
"Neubau für die Sammlung Frieder Burda"
am 26. September 2002 in Baden-Baden
"Ein
Traum ist unerlässlich, wenn man die Zukunft
gestalten will." Diese Worte aus der Feder des
französischen Dichters Victor Hugo haben heute
für Sie, sehr geehrter Herr Burda, eine
besondere Bedeutung. Denn hier, an dieser Stelle,
wird in naher Zukunft für Sie ein Traum in
Erfüllung gehen. Mit dem Neubau für die
"Sammlung Frieder Burda" werden Ihre vielen hundert
Bilder, Skulpturen und Objekte eine Heimstatt
finden.
Eine Kunstsammlung, die zu den international
bedeutsamsten ihrer Art zählt: mit
Gemälden von Max Beckmann, August Macke und
anderen deutschen Expressionisten, mit Bildern aus
der späten Schaffenszeit Pablo Picassos, mit
Werken des amerikanischen Expressionismus, und vor
allem mit Werken zeitgenössischer deutscher
Malerei. Diese Sammlung trägt unverkennbar
Ihre Handschrift. Es ist die Handschrift eines
Mannes, der die Kunst zu seiner Lebensaufgabe
gemacht hat.
Als Sie im Jahre 1968 ein Gemälde des Malers
Fontana erwarben, hätte wohl kaum jemand
gedacht, daß dies der Grundstein einer
umfangreichen Sammlung sein würde. Im Jahr der
Gründung der "Frieder Burda Stiftung", 30
Jahre später, war sie schon auf fast 500
Kunstwerke angewachsen. Das gezielte und
systematische Sammeln bedeutender Kunst ist das
eine. Den Wunsch und auch die Verpflichtung zu
spüren, diese Kunst den Menschen
nahezubringen, ist das andere.
Ich möchte Ihnen Dank sagen dafür, dass
Sie diese wertvolle und einzigartige Sammlung
dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich
machen wollen. Und ich möchte Ihnen dafür
danken, dass Ihre Sammlung hier in Ihrer
Heimatstadt Baden-Baden bleibt; und nicht etwa nach
Berlin, München oder Frankfurt geht, wo man
ebenfalls Interesse an ihr gezeigt hatte. Ich sehe
das als ein Bekenntnis zu Ihrer Heimatstadt und zu
unserem Land Baden-Württemberg. Wir freuen
uns, und wir sind stolz darauf, dass die "Sammlung
Frieder Burda" Teil der Kunstlandschaft
Baden-Württembergs ist und bleibt.
Meine Damen und Herren, geht es uns nicht allen so,
dass, wenn wir uns in ein Kunstwerk versenken, wir
unendlich viel über den Menschen erfahren?
Mehr als durch so manche wissenschaftliche
Untersuchung? Uns allen kann die Kunst etwas
unvergleichlich Tiefes, Erhabenes und schönes
geben. Pablo Picasso hat einmal den Satz
gesprochen: "Die Kunst wischt den Staub des Alltags
von der Seele." Ein schönes und nachdenkliches
Künstlerwort. Etwas, das sicherlich auch viele
Menschen erfahren können, die künftig
durch Ihre Sammlung gehen werden.

Als Victor Hugo in den 60er Jahren des 19.
Jahrhunderts Baden-Baden besuchte, gab es an dieser
Stelle noch keine Kunsthalle. Sie kam erst Anfang
des folgenden Jahrhunderts. Könnte nun
derselbe Victor Hugo in ein, zwei Jahren noch
einmal hierherkommen, er würde staunen. Er
sähe ein klassizistisches Gebäude, das
durch eine Glasbrücke mit einem anderen
Gebäude verbunden wäre. Und dieses andere
Gebäude würde ihn in noch
größeres Staunen versetzen. In Staunen
über eine ganz außergewöhnliche
Architektur. In der Tat: Was hier durch Sie, sehr
geehrter Herr Meier, entstehen wird, ist ein
Kunstwerk für sich. Ich habe mir Ihre
Pläne für den Neubau angesehen. Und ich
muss sagen: Ich freue mich schon jetzt auf die
Fertigstellung dieses Bauwerks. Sie, sehr geehrter
Herr Meier, sind in unserem Land kein Unbekannter.
Sie haben z.B. in Ulm den Münsterplatz neu
gestaltet und für die Firma Weishaupt in
Schwendi einen spektakulären Museums- und
Kantinenkomplex entworfen. Ich kann Sie, sehr
geehrter Herr Burda, nur dazu
beglückwünschen, dass Sie für Ihr
Vorhaben einen Architekten von Weltruf gewinnen
konnten. Einen, der in den USA und in Europa
bereits durch seine Museumsbauten von sich reden
gemacht hat (z. B. durch das "Getty Museum" in Los
Angeles oder das "Museum für
zeitgenössische Kunst" in Barcelona).
Der hier entstehende Neubau wird sich harmonisch in
die bestehende Parkanlage einfügen und auf
seine Weise das vollenden, was bei den Plänen
für die Kunsthalle vor fast 100 Jahren bereits
vorgesehen war nämlich die Erweiterung auf
dieses Areal. Nun werden es zwei Gebäude sein
– verbunden durch eine Brücke. Dabei ist diese
Brücke mehr als nur ein Durchgang von einem
Gebäude in das nächste, von einem
Architekturstil zum anderen. Diese Brücke ist
vor allem auch ein Symbol für die gelungene
Zusammenarbeit zwischen öffentlicher und
privater Kunstpflege in unserem Land. Alles, was
hier entsteht – Planung, Bau, Personal und
Unterhalt – wird von Herrn Burda privat finanziert.
30 Mio. Mark allein für den Bau! Und: Sie,
Herr Burda, haben von Anfang an auf eine gute und
enge Kooperation mit der Stadt und mit der
Staatlichen Kunsthalle Wert gelegt. Eine
Kooperation, von der alle Beteiligten profitieren.
Am meisten die Besucher, die einmal hierher kommen
werden, und – dank eines gemeinsamen Ticketsystems
– zwischen zwei exzellenten Stätten der Kunst
hin- und herwandeln können. Beide Häuser
werden eng zusammenarbeiten und mindestens einmal
im Jahr eine gemeinsame Ausstellung
durchführen. Diese enge Zusammenarbeit
zwischen staatlichem und privatem Engagement ist –
zumindest in Deutschland – ohne Beispiel. Dieses
Zusammenspiel ist gut für die Kulturstadt
Baden-Baden, gut für die Kulturlandschaft
Baden-Württemberg und vor allem: gut für
die Kunst selbst.
In den Worten Johann Wolfgang von Goethes: "Wenn es
eine Freude ist, das Gute zu genießen, so ist
es eine größere, das Bessere zu
empfinden, und in der Kunst ist das Beste gut
genug.
Foto:
Wolfgang Peter
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