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Gar nicht harmlos-fröhlich:
Nanas düstere Schwestern
Eine Ausstellung in Hannover zeigt
Niki de Saint Phalles aggressive Seiten
Der riesigen weißen "Braut"
von Niki de Saint Phalle fehlt jeder Ausdruck von
Fröhlichkeit. Anders als die berühmten
Nanas, den drallen Frauenfiguren in bunten Farben,
wirken viele Skulpturen und Bilder der
französischen Künstlerin aus den 60er
Jahren Angst einflößend und aggressiv.
Das Sprengel Museum in Hannover will mit einer
neuen Ausstellung über Niki de Saint Phalle
(bis 2. November 2003) auch das Bild der
Künstlerin zurecht rücken: "Sie war keine
Produzentin harmloser Frauenbilder", betonte
Museumsdirektor Ulrich Krempel. Für die Stadt
entwickelt sich die Kunst von Niki de Saint Phalle
- Ehrenbürgerin Hannovers -immer mehr zu einem
Wahrzeichen und Touristen-Magneten.
Die Niki de Saint Phalle-Grotte in den barocken
Herrenhäuser Gärten in Hannover besuchten
seit der Eröffnung vor gut fünf Monaten
rund 250 000 Menschen. Die Grotte - ein
bunt-glitzerndes Kunstwerk mit Glasmosaiken,
Steinen und Figuren - ist das letzte große
Werk der französischen Künstlerin vor
ihrem Tod im Mai 2002. Das Sprengel Museum am
Maschsee in Hannover kann zudem bei der Kunst von
Niki de Saint Phalle aus dem Vollen schöpfen -
sie hatte dem städtischen Haus rund 400 Werke
geschenkt.
Die Enkelin der Künstlerin, Bloum Cardenas,
sagte bei der Besichtigung der neuen Ausstellung im
Sprengel Museum, das Haus zeige die besten
Stücke von Niki de Saint Phalle. Hannover sei
der Künstlerin sehr wichtig gewesen.
Ein wenig Kopfzerbrechen machen Hannover allerdings
die drei gewaltigen, Kunststoff-Nanas am
Leineüfer, die nach 30 Jahren tiefe Risse und
Korrosionsschäden aufweisen. "Caroline", eine
Figur aus dem Trio - liegt seit längerer Zeit
in einer Werkstatt. Aber die Fachwelt ist sich noch
nicht einig, wie die Skulptur repariert werden
kann. "Die Nanas werden auf Dauer leben", meinte
Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD).
Bezweifelt wird allerdings, ob die angesetzten 40
000 Euro für die Reparaturen reichen.
Als die Figuren mit drallen Rundungen im Jahr 1974
an der Leine aufgestellt worden waren, hatten sie
beinahe einen Kunstkrieg in der Stadt entfacht.
Heute werden sie oft nur als dicke, gemütliche
Frauen gesehen. Alles andere als beschaulich ist
die neue Ausstellung im Sprengel Museum mit dem
Titel "Die Geburt der Nanas". In den Werken aus den
60er Jahren hat sich Niki de Saint Phalle vielmehr
mit der Ubermacht der Männer, vielen Klischees
und der Gewalt in der Gesellschaft auseinander
gesetzt. "Ich werde die größten
Skulpturen meiner Generation machen.
Größer und stärker als die der
Männer" sagte die Künstlerin einmal.
Eine der spektakulärsten Aktionen von Niki de
Saint Phalle waren ihre Schießbilder. Sie
feuerte auf Bilder mit Farbbeuteln; getroffen
wurden Männergestalten - darunter
Staatsoberhäupter und Geistliche - und damit
auch Konventionen und Tabus. Zornig auf die Macht
der Männer in den 60er und 70er Jahren nannte
sie eines ihrer Werke etwa "Der Tod des
Patriarchen". Auf ein "Porträt ihres
Liebhabers" konnten Ausstellungsbesucher sogar mit
Dartpfeilen schießen.
© Badisches Tagblatt, 25.8.2003
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