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Ray Johnson
"Ray Johnson kann als der Vater der
Mail-Art gelten. Nach einigen Ausstellungen in der
New Yorker Schule des abstrakten Expressionismus
freundet er sich mit Robert Rauschenberg und
Cy
Twombly an, hat sich aber bis heute von
allen Trends fern gehalten und lebt außerhalb
der Kunstszene in Locust Valley bei New York.
Mitte der 1950er Jahre beginnt er hunderte von
kleinen Collagen zu produzieren, in die Elemente
aus seiner gesamten Umwelt einfließen.
Gleichzeitig wird der Postweg zu einem integralen
Bestandteil der Entstehung seiner Arbeiten: er
verschickt Collagen per Post, verwendet Teile aus
seiner Post darin, schickt Stücke mit der
Aufforderung sie weiter zu verschicken oder zu
bearbeiten an Künstlerkollegen, verwendet die
Resultate falls sie zu ihm zurückkommen erneut
usw. Es entwickelt sich ein unabschließbarer
Prozess, der zunehmend weitere Kreise zieht und zur
Gründung der New York Correspondence School
führt.
Allein Ray Johnson hat im Laufe der Jahre tausende
von Mail-Art Stücken verschickt und wer mit
ihm in Korrespondenz tritt, wird somit gratis zum
Besitzer einer Sammlung seiner Werke. Aus der
Keimzelle der New York Correspondance School ist
eine weltweite Mailart Bewegung entstanden, deren
Ausläufer auch nach der von Johnson 1972 an
die New York Times geschickten
"Todeserklärung" bis heute weiterwirken.
Ray Johnsons eigene Arbeit beinhaltet bereits viele
Elemente, die sich dann in dem von ihm initiierten
Künstlernetzwerk voll entfalteten: Johnson
schafft kollektive Produkte, die aus der
freiwilligen oder unfreiwilligen Beteiligung
anderer entstehen, er wechselt dabei selbst immer
wieder die Identität unter zahlreichen
Pseudonymen und gründet in seiner
Korrespondenz mehrere halb fiktive, halb reale
Fanclubs und Themengruppen."
Text © Hochschule
für Grafik und Buchkunst,
Leipzig
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