Alexej von Jawlenski

  Illustration © Wolfgang Peter



Die Stadt Wiesbaden beging im Jahr 2004 - 140 Jahre nach seiner Geburt - das Jawlenksy-Jahr. Damit ehrte die hessische Metropole in zahlreichen Veranstaltungen nicht nur den außergewöhnlichen Künstler. Liebhabern seiner Gemälde wurde von 23. Oktober 2004 bis 13. März 2005 die Möglichkeit eröffnet, diese in einer einzigartigen Ausstellung zu genießen.

Das Simon Norton Museums, Pasadena (USA), welches die Jawlensky-Werke der Sammlerin Emmy "Galka" Scheyer aufgenommen hat, und das Museum Wiesbaden boten für eine begrenzte Zeit im Landesmuseum eine umfassende Sicht auf Jawlenskys Schaffen.

 


Alexej von Jawlensky

wurde am 13. März 1864 in Torschok (Russland) geboren. Er war das fünfte Kind einer Familie, die dem russischen Erbadel angehörte.

Aufgrund der Dienstversetzung seines Vaters zog die Familie 1869 nach Neswish bei Minsk. Um ihren Kindern eine angemessene Ausbildung zu bieten zog die Mutter 1874 nach Moskau, wo der 13-jährige Jawlensky auf eine Kadettenschule geschickt wurde.
Bei einem Besuch der Moskauer Weltausstellung im Jahre 1880 entdeckte Jawlensky die Malerei und begann selbst Bilder zu malen.

Der Tod des Vaters (1882) brachte die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. Die Hoffnung auf das geplante Studium an einer Kunstakademie musste Jawlensky deshalb zunächst aufgeben und begann eine Militärlaufbahn. Als Leutnant wurde er einem Moskauer Infanterieregiment zugeteilt. Er mietete sich ein Zimmer bei einem Maler, durch den er Kontakt zu weiteren Künstlern fand.

Da in Moskau für einen Offizier der Besuch einer Kunstakademie verboten war, ließ sich Jawlensy nach Sankt Petersburg versetzen, wo er nun neben seinem Militärdienst die Kunstakademie besuchte. Jawlensky machte die Bekanntschaft zahlreicher anerkannter Künstler und besuchte regelmäßig die Eremitage und das Museum für moderne russische Kunst.

1891 befreundete er sich mit der Malerin Marianne von Werefkin, die als Vertreterin des Realismus bekannt wurde.

Mit Werefkin und der Tochter seines vorgesetzten Generals, Helene Nesnakomoff - seine spätere Frau - unternahm Jawlensky 1896 eine mehrmonatige Reise durch Deutschland, Belgien und Holland. Sie besuchten zahlreiche Galerien und Museen in Berlin, Dresden, Brüssel, Antwerpen und reisten über Paris und London zurück. Jawlensky verließ danach die Armee. Er erhielt eine regelmäßige Pension, die ihm eine Karriere als Künstler ermöglichte.

Aus Unzufriedenheit mit der Akademieausbildung in Russland übersiedelte Jawlensky mit zwei befreundeten Malern sowie mit Marianne von Werefkin und Helene Nesnakomoff nach München. Gemeinsam mit den beiden Frauen bezog er eine Wohnung und besuchte die Azbè-Schule. Marianne von Werefkin gab das Malen auf und protegierte Jawlenskys Malerkarriere.

1897 lernte Jawlensky an der Schule Wassily Kandinsky kennen. Beide verband fortan eine enge Freundschaft. Nach einer Studienreise begann er 1899 als freier Maler zu arbeiten.

Ab 1902 beschäftigte sich Jawlensky mit Aktstudien. Auf Anregung von Lovis Corinth schickte Jawlensky ein Gemälde an die
Berliner Secession, das dort ausgestellt wurde. In seinem Sommeraufenthalt im Jahr 1904 in Reichertshausen (Oberbayern) malte Jawlensky eine Reihe von Landschaftsgemälden. 1905 war er mit sechs Weken auf der Ausstellung im Pariser "Salon d'Automne" vertreten. In Paris setzte er sich mit den Arbeiten von Cézanne, Gauguin, van Gogh und Matisse auseinander. Letzteren lernte er persönlich kennen und beschäftigte sich mit dessen Stil des Fauvismus.

1906 reiste Jawlensky nach Sankt Petersburg, um dort neun seiner Werke auszustellen. Den Sommer verbrachte er in Wasserburg/Inn (Bayern), wo er vor allem Landschaftsbilder und Porträts malte. Er entwickelte nun seinen
expressionistischen Stil mit einfachen Formen und starker Ausdruckskraft.

1908 arbeitete er mit Werefkin und Kandinsky im Atelier von Gabriele Münter in Murnau am Staffelsee. Nach einem weiteren Sommer mit Malerfreunden initiierte Jawlensky im Jahr 1909 gemeinsam mit Werefkin, Kandinsky, Münter und Kubin die "Neue Künstlervereinigung München". Kandinsky wurde Erster Vorsitzender, Jawlensky sein Vertreter. Es folgte eine erste Kollektivausstellung der Gruppe, die große Kritik bei Publikum und Rezensenten hervorrief. 1910 folgten weitere Ausstellungen in Kiew und Odessa. 1911 besuchte Jawlensky Franz Marc in Sindelsdorf (Oberbayern). Während eines Sommeraufenthalts in Prerow/Darß malte Jawlensky seine bekanntesten Landschaftsbilder mit starker und leuchtender Farbgebung. Es folgte seine erste Einzelausstellung in der Ruhmeshalle in Barmen bei Wuppertal.

1912 trat er aus der "Neuen Künstlervereinigung" aus und schloss sich der von Kandinsky und Marc gegründeten Gruppe
"Blauen Reiter" an. Jawlensky schloss enge Freundschaften mit den von ihm bewunderten Kollegen Paul Klee und Emil Nolde.

1913 wurden auf der von Herwarth Walden organisierten Futuristen- und Expressionisten-Ausstellung in Budapest und Lemberg 41 Gemälde von Jawlensky gezeigt. 1914 trat Jawlensky der "Neuen Münchener Secession" bei.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Jawlensky aufgefordert, innerhalb von 48 Stunden Deutschland zu verlassen. Er siedelte in die Schweiz an den Genfer See über und verlor den Kontakt zu seinen Münchner Künstlerkollegen. 1914-1917 arbeitete er weiter an Landschaftsvariationen. 1917 zog er nach Zürich. Dort traf er auf Wilhelm Lehmbruck und den Dadaisten
Hans Arp, Hugo Ball und Paul Cassirer. 1918 bezog Jawlensky ein großes Haus in Ascona (Italien). Dort begann er mit der konstruktivistischen Bilderserie der "Abstrakten Köpfe".

Obwohl er 1920 wieder nach Deutschland zurückkehren wollte, lehnte er eine Berufung als Professor an das Bauhaus nach Dessau ab, weil er Kunst für nicht lehrbar hielt. 1921 zog er nach Wiesbaden und bereitete eine Ausstellung seiner Werke vor. Auch hier arbeitete er vorrangig an den "Abstrakten Köpfen".

1924 gründete er gemeinsam mit Kandinsky, Klee und Lyonel Feininger die Gruppe "Die Blauen Vier", deren erste Ausstellung in San Francisco stattfand.

1927 hatte Jawlensky erste Symptome einer schweren Arthritis (Gelenkentzündung). 1929 wurde die "Jawlensky-Gesellschaft" gegründet, deren Mitglieder gegen jährliche Zahlungen Anspruch auf zukünftige Bilder hatten.

Starke Schmerzzustände zwangen ihn 1930 zu Klinikaufenthalten in Stuttgart und Piestany (Tschechoslowakei). Im gleichen Jahr machte er die Bekanntschaft von
Karl Schmidt-Rottluff.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erhielt Jawlensky 1933 Ausstellungsverbot in Deutschland. Er schickte vermehrt Bilder zu Ausstellungen in die USA. Mehrere Kuren verliefen ergebnislos, Jawlenskys Gesundheitsustand verschlechterte sich und die zunehmende Lähmung von Hand- und Kniegelenken zwangen ihn, in sehr kleinen Bildformaten zu malen. Er arbeitete an den abstrakten Portraits, den so genannten "Meditationen".

Jawlensky wurde aufgrund seiner Mitgliedschaft in deutschen Künstlervereinigungen deutscher Staatsbürger. 1935 besuchte er auf einer Schweizreise Paul Klee in Bern und begann, seine Memoiren zu diktieren.

1937 wurden 65 seiner Werke beschlagnahmt und von den nationalsozialisten als "entartet" diffamiert. Während eines Aufenthalts in München besuchte er
die Ausstellung "Entartete Kunst", wo auch einige seiner Werke gezeigt wurden. Jawlensky wurde gehunfähig und verließ kaum noch sein Studio. Er beendete 1937 seine Memoiren. Aufgrund der vollständigen körperlichen Paralyse musste er ab 1938 das Malen aufgeben.

Am 15. März 1941 starb Alexej von Jawlensky in Wiesbaden.


Die Gruppe "Der Blaue Reiter"

Zurück zur Übersicht Künstler




Der blaue Vogel auf meiner Hand.
Marianne Werefkin und Alexej Jawlensky.
von Barbara Krause
Broschiert, 315 Seiten, Herder Verlag, Freiburg

Gleich bestellen

Kunstbücher suchen

   

Schnellsuche

Suchbegriff


 




© 2004-2005 by WAEPART Baden-Baden. All rights reserved.