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Franz Burda I., der Gründer des Clans, ging
lieber zum Fasching als in seine Druckerei. Sein
Sohn mit gleichem Namen aber mit Dr. davor, Franz
II., sagte über den Firmengründer:
"Nichts als eine Portion Schulden und eine kleine,
mehr schlecht als recht gehende Druckerei hat er
hinterlassen". 100 Jahre später ist Burda
einer der größten Medienkonzerne der
Welt. Alleine an mehr als 200 Zeitschriften
weltweit ist das Burda-Imperium heute
beteiligt.
Die Erfolgsstory der "Könige der Ortenau"
beschreibt der Autor Peter Köpf aus mehreren
Blickwinkeln. Viel Klatsch und Tratsch steht in
diesem gut recherchiertem Buch. Wie in der Bunten.
Allein die Geschichte, wie Franz II., der
Patriarch, an seinen Doktor-Titel kam, gibts in
drei Versionen. Köpf gibt auch Auskunft
darüber, warum Aenne, die Frau von Franz II.,
zu ihrem eigenen Verlag kam und warum sie damit so
erfolgreich wurde.
Sex kommt im Buch kaum vor. Genau wie bei den
Printprodukten der Offenburger. Erst Hubert Burda
wollte Sex mit seinem gefloppten Männermagazin
"M" verkaufen; ebenso mit seiner missratenen
Printfamilie "Super!". Dies sind nur zwei von
vielen Misserfolgen Hubert Burdas, der schon Jahre
vor der Krise am Neuen Markt sein Internetprojekt
"Europe Online" teuer in den Sand setzte. Ein
europäisches AOL hatte Hubert also nicht
geschafft.
Als seine erste Zeitung (Super!-Zeitung) ein Flopp
wurde, da startete er, noch am selben Abend, sein
nächstes Millionenprojekt: Focus. Das wurde
dann endlich mal ein großer Erfolg für
den jüngsten, immer noch aktiven Burda.
Genau wie Focus serviert auch der Autor
appetitliche Infohäppchen, nur ohne die
Grafiken dazu. Lediglich historische Fotos aus dem
Familienalbum der Burdas findet man im Innenteil.
Gewünscht hätte man sich einen visuellen
Stammbaum der Dynastie und ein
Stichwortverzeichnis, denn in diesem Buch
schlägt man immer wieder gerne nach.
Der Autor konnte in den unveröffentlichten
Memoiren von Franz Burda II. nachschlagen. Nicht
nur Erfolge sondern auch die "Leichen im Keller"
des Verlegers werden beschrieben. Burdas "Bunte"
hieß zunächst "Das Ufer" und schenkte
Altnazis ein rettendes Ufer, wie Köpf notiert.
Burda druckte Landkarten für Rommel, durfte
deshalb in Offenburg bleiben und musste nicht nach
Stalingrad. Sonst wäre die deutsche
Pressegeschichte vielleicht anders gelaufen - und,
ganz sicher, um viele bunte Geschichten
ärmer.
Auch der Machtkampf um das Erbe von Franz II. und
die mannigfaltigen Intrigen zwischen seinen
Söhnen (Franz III., Frieder und Hubert) nehmen
einen breiten Raum ein in diesem Buch.
Das Buch ist im Europa Verlag,
Hamburg erschienen.
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